Der
"Marburger Kreis" :
Seine Geschichte und Entstehung
Die Geschichte des Marburger Kreises beginnt Anfang des
Jahrhunderts mit dem Namen Frank Buchman. Er wurde am 4. Juni 1878 in den USA geboren.
Dort studierte er Theologie und wurde 1909 Studentensekretär in der
internationalen Arbeit des CVJM. Er erlebte, wie Gottes Handeln ihn veränderte, und wie
das Erzählen davon wiederum andere Menschen zu Gott brachte. Das wurde damals der
Schwerpunkt seines Lebens : anderen Menschen von Gottes Handeln zu berichten und sie damit
für Gott zu gewinnen. Um ihn formte sich eine Bewegung, die auf Jesus Christus hinwies
und zur Umkehr und zu einem Leben mit Jesus aufrief. Das geschah z.B. durch Einladungen
zum Tee, wo bei zwanglosen Gesprächen einer dem anderen die Botschaft von Jesus Christus
weitersagte.
Als Frank Buchman 1915 nach England
(Cambridge, Oxford) ging, kam diese Bewegung auch nach Europa.
Seit etwa 1921 hieß die Gruppe
"Oxford-Gruppe". Es wird erzählt, sie hätte den Namen einem Zufall zu
verdanken : Frank Buchman wollte mit einigen Studenten nach Oxford fahren. Als der
Schaffner das reservierte Abteil beschriften wollte, wußte er keinen Namen für die
Gruppe und benannte sie "Oxford-Gruppe" nach dem Ziel ihrer Reise.
Um 1930 gelangte die Arbeit auch nach Deutschland.
Hier wurde sie unter dem Namen "Gruppenbewegung" bekannt. Im Dritten Reich wurde
die öffentliche Verkündigung der Gruppenbewegung verboten. Der zunehmende äußere Druck
führte die Gruppenbewegung unter das relativ sichere Dach der Kirche. So bildete sich 1938
die "Arbeitsgemeinschaft für Seelsorge" (AGS), die eine Erweckung
unter Pfarrern auslöste. 1942 wurde für Wehrmachtsangehörige und
NSDAP-Mitglieder die Mitarbeit in der Gruppenbewegung verboten. Im gleichen Jahr kam die
AGS einem Verbot durch die GESTAPO zuvor, indem sie sich selbst auflöste. Die Kontakte
der Mitarbeiter untereinander blieben aber erhalten.
Schon vor dem Krieg rissen die Kontakte der deutschen
Gruppenbewegung zur "Oxfordgruppe" in England ab. Diese begann sich etwa von 1938
an zu verändern. War es bis jetzt das Ziel gewesen, Menschen zu Jesus zu führen und
damit zu Christen zu machen, verschob sich das Ziel jetzt auf die moralische Veränderung
ganzer Völker. Die Ausrichtung auf Jesus war jetzt nicht mehr die Einzige. So ging es
jetzt darum, aus Christen bessere Christen, aus Moslems bessere Moslems, aus Buddhisten
bessere Buddhisten zu machen. Den Rahmen bildeten weiterhin die aus der Bergpredigt
abgeleiteten vier Ideale absolute Wahrheit, Reinheit, Uneigennützigkeit und Liebe. Die
Bewegung gab sich auch einen neuen Namen und hieß jetzt "Moralische
Aufrüstung". Sie richtete ihren Sitz in CAUX in der Schweiz ein.
Auch änderte sich die Arbeitsweise. War früher der persönliche Kontakt zum Einzelnen
der Aufhänger, wurde jetzt öffentlich zu Ansprachen in Säalen und Kongresshallen
eingeladen. Zugleich wurden Schlagworte wie "Kampf dem Kommunismus" u.A. zu
Leitlinien der "Moralischen Aufrüstung".
Auf diese neue Ausrichtung trafen die deutschen
früheren Mitarbeiter der Gruppenbewegung, als sie nach dem Krieg wieder
Bewegungsfreiheit hatten. Die Veränderungen und Unterschiede zur alten Gruppenbewegung
wurden bald deutlich. So trennten sich 1953 die Mitarbeiter, welche die
alte Arbeit mit der klaren Ausrichtung auf Jesus Christus fortsetzen wollten, von der
"Moralischen Aufrüstung".
Einer davon war Arthur Richter. Er war im
2. Weltkrieg Soldat und fand über Erfahrungen in der Kriegsgefangenschaft und einen
Mitarbeiter der ehemaligen AGS zum Glauben und zur Gruppenbewegung. Er und andere
organisierten Tagungen, zu denen Sie Menschen aus ihrem persönlichen Umfeld einluden.
Dort berichteten sie von Jesus Christus und zeigten den Weg zu einer persönlichen
Beziehung zu ihm auf. Menschen, die dort Jesus kennenlernten, luden wiederum ihre Freunde,
Verwandten und Kollegen ein. Die Arbeit wuchs, es wurden mehr Tagungen angeboten und der
lockere Verbund reichte nicht mehr aus. Daher wurde ein hauptamtlicher Mitarbeiter und ein
Name für das Unternehmen gebraucht. So trafen sich im März 1957 die
wichtigsten Mitarbeiter in Marburg. In der Sitzung wurde der "Marburger Kreis"
gegründet und Arthur Richter als Geschäftsführer berufen. Im Oktober 1957
folgte in Wuppertal die Eintragung als "e.V."
Es wird erzählt, ein Namensvorschlag soll gelautet
haben : "Verein zur erwecklichen Verkündigung des Evangeliums der guten Nachricht
von Jesus Christus unter modernen, säkularen Heiden". Die anderen Vorschläge waren
wohl auch nicht überzeugender, so daß der Ort des ersten Treffens dem Verein den Namen
gab.
Hatte man Menschen nach der Tagung wieder in ihre
Gemeinden geschickt und dadurch aus den Augen verloren, merkte man doch recht bald, daß
Viele dort nicht vorfanden, was sie zum Wachsen als Christen brauchten. Um diese neuen
Christen vor einem Versanden ihres Glaubens zu bewahren, bildete man örtliche Gruppen,
die den Namen "Mannschaft" erhielten. Diese Bezeichnung ist die wörtlichen
Übersetzung des englischen Wortes "Team" aus der "Oxford-Gruppe".
Noch ein paar Worte zu Arthur Richter : Wie kein
anderer hat er die Arbeit des Marburger Kreises gestaltet und geprägt. Schon 1953 hatte
er wesentlichen Anteil an der Trennung von der "Moralischen Aufrüstung". Er
wußte : Nur Jesus allein kann die Hoffnung für die Welt sein, daneben gab es keine
Alternativen. Diese geistliche Klarheit und seine kompromißlose Nachfolge waren die
Gründe, warum er für viele nicht nur ein Vorbild, sondern auch ein geistlicher Vater
wurde. Arthur Richter wurde 1957 der erste Geschäftsführer des Marburger Kreises. Das
blieb er bis 1979. Noch bis 1986 verfaßte er die Mitarbeiterbriefe des Marburger Kreises.
Er starb 84 jährig im September 1993. |